Projektbericht: Welche Wirkung wurde erzielt? (wissenschaftliche Evaluation durch Frau Elisabeth Steger Vogt)
 

Wir wollten sicher gehen, dass wir unser Ziel erreicht haben. Dazu brauchte es eine wissenschaftliche Evaluation.
Tino Bentele

„Wir wollten mit kritischem Blick prüfen, ob diese Investition sinnvoll ist und wie effektiv Nutzen und Nachhaltigkeit sind. Dies wäre ohne eine Evaluation nicht denkbar gewesen," begründet Tino Bentele die Durchführung der wissenschaftlichen Evaluation. "Auch die Mitglieder der Regierung setzten sich mit den Ergebnissen der Evaluation auseinander und gaben uns grünes Licht für eine weitere Durchführung. Zugleich beauftragten sie uns, die Vorgesetzten in Bezug auf die Führung älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sensibilisieren.“

So setzen sich die Führungskräfte der St. Galler Kantonsverwaltung im Seminar „Personalentwicklung als Führungsaufgabe“ mit dem Thema "Älter werden im Beruf" auseinander und gehen der Frage nach, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer beruflichen Entwicklung – angefangen vom Berufseinstieg bis hin zur Pensionierung – gezielt gefördert und unterstützt werden können.

„Der Workshop zeigt positive Wirkungen, die Ziele wurden mehrheitlich erreicht,“ so das Fazit von Elisabeth Steger Vogt.

Elisabeth Steger Vogt, Arbeits- und Arganisationspsychologin M.O.P. führte die wissenschaftliche Evaluation des Workshops durch. Mittels Interviews wurden Vor- und Nachbefragungen der Teilnehmenden durchgeführt. „Eine qualitative Untersuchung mit Interviews versucht in die Tiefe zu gehen und herauszuarbeiten, welche Veränderungen, Wirkungen und Effekte sichtbar werden,“ erläutert Elisabeth Steger, „die Interviews ermöglichen ein differenziertes Bild, wie die Personen denken, welche Einstellungen sie gegenüber ihrer Arbeit haben, was sie belastet oder was sie befriedigt.“ So konnten anhand der Aussagen der Teilnehmenden beispielsweise deutliche Einstellungsveränderungen sowie ein verbessertes Selbstbewusstsein festgestellt werden.

„Ich habe eine Veränderung der Haltung festgestellt. Die Teilnehmenden übernehmen mehr Eigenverantwortung. Belastende Situationen wollen sie aktiv und mit mehr Gelassenheit angehen. – Ich war beeindruckt über das veränderte Selbstbewusstsein, mit welchem mir die Personen beim zweiten Interview entgegentraten.“

Als Ergebnis der Evaluation konnten insbesondere Wirkungen in den Zielbereichen „Entdecken neuer Lernchancen und Spielräume“, „ Umgang mit Frust und Ärger“, „Stärkung der Eigenverantwortung“ sowie „aktive Gestaltung der verbleibenden Berufsjahre“ festgestellt werden.

Zur Optimierung des Workshops und Sicherstellung der Nachhaltigkeit wurde zudem eine Reihe von Vorschlägen erarbeitet. Beispielsweise entwickelten die Teilnehmenden in der Auseinandersetzung mit den verbleibenden Berufsjahren Veränderungsvorhaben, die teilweise strukturelle oder organisatorische Rahmenbedingungen der Arbeit tangieren. Da nicht alle Veränderungsvorhaben aus eigener Kraft umgesetzt werden können, sollen die Vorgesetzten künftig stärker in den Workshop eingebunden werden.

„Zur Sicherstellung der Nachhaltigkeit des Workshops ist der Einbezug der Vorgesetzten in den Prozess von grosser Bedeutung.“

Als besonderen Effekt des Workshops erwähnt Elisabeth Steger, dass einige Mitarbeitende die Workshopteilnahme als Zeichen der Wertschätzung für ihre langjährige Arbeit empfanden:

„Jeder Mensch, der so lange im Berufsleben steht, verdient es, mal einen Break zu machen... wie eine Dampfloki, dass man mal aus dem Alltagstrott rauskommt und diese Maschine frisch einrichten kann und dass sie nachher möglichst ein paar Jahre in einem normaleren Takt laufen kann.“ Workshopteilnehmer

Däniken, 3. November 2008