Projektbericht 50plus: Wie setzte der Beauftragte die Vorgaben um?
Peter Bösiger, Erwachsenenbildner und Coach, zu Fragen der Konzeption und zum Workshop für Mitarbeitende 50-plus

Zusammen mit Annekathrin Dünki, Projektleiterin für betriebliches Gesundheitsmanagement aus Dättlikon ZH, leitete er das Pilotprojekt der Verwaltung des Kantons St. Gallen. Der Fachmann umschreibt den Workshop als: „Ein Zeichen und Signal für Mitarbeitende zwischen 50 und 60, dass die Unternehmungen weiterhin voll auf sie zählen!"

„Es war ein Krampf im positiven Sinn."      Peter Bösiger

Warum sind Sie im Bereich der Generation 50plus tätig?
PB: Ich gehöre selbst zur Zielgruppe. Gleichzeitig beobachte ich bei meiner Ausbildungsarbeit seltsame Entwicklungen in den Unternehmen. Eine zeitlang wurde diese Altersgruppe möglichst früh pensioniert. Heute wird es bei der Personalbeschaffung enger, viele Fachkräfte fehlen und weitsichtige Unternehmen versuchen die reifere Mitarbeitenden möglichst lange im Arbeitsprozess zu halten.

Nach welchen Ansätzen haben Sie diesen Workshop entwickelt?
P.B: Ich habe auf Erfahrungen und Methoden gesetzt welche wir bei der Persönlichkeitsentwicklung an Seminaren einsetzten. Diese Ansätze ermöglichen den wertschätzenden Zugang zur eigenen Lebensleistung. Zentrales Element ist die Lebensbaummethode¹. Durch sie erleben die Mitwirkenden das Gefühl von Stärke und Selbstwirksamkeit, gewinnen neue Perspektiven und schöpfen Mut, Gegenwart und Zukunft selbstbewusst zu gestalten.

Waren im Workshop Widerstände spürbar?
P.B: Ja, einerseits Verunsicherungen: Bin ich jetzt alt? Ausgesondert? Brauche ich eine Spezialbehandlung?

Hat sich die Stimmung während dem Workshop geändert?
P.B: Durch die vertrauensfördernde Methodik und Offenheit der Kursleitung gelang es rasch, eine konstruktive Grundstimmung zu schaffen.

Gab es Situationen in denen die Ereignisse eskalierten?
P.B: Die Arbeit an der eigenen Biographie führte auch zu Tränen der Rührung oder der Trauer. Die vertraute Gruppe und einfühlsame Gespräche mit der Leitung lösten diese Situationen jeweils wieder auf.

Ist eine Investition dieser Grösse für die Altersgruppe gerechtfertigt?
P.B: Wenn wir die demografische Entwicklung anschauen, sind beim Auftraggeber 25% in dieser Altersgruppe, auf der Führungsebene noch mehr. Sie alle arbeiten mindestens noch zehn bis fünfzehn Jahre. Vital und leistungsbereit oder abgelöscht und festgefahren?

Welchen Nutzen bringt der Workshop dem Arbeitgeber und den Arbeitnehmern?
P.B: Wr leisten unseren Beitrag zur Vitalisierung im Workshop. Gleichzeitig sind wir darauf angewiesen, dass die Führungskräfte mitziehen. Der Workshop gleicht einem positiven Virus. Dieser wird sich bei guter Pflege positiv entwickeln. Ein positiver Virus! Als Personalentwickler zähle ich hier auf die Führungsarbeit.

Welchen Nutzen hat ein Unternehmen wenn ein Bruchteil der Mitarbeitenden diesen Workshop besucht?
P.B: Entwicklungen kommen meist von den Rändern. Das heisst, wenn nur schon ein paar Leute als ermutigendes Beispiel wirken, dann gibt dies weiteren Kolleginnen und Kollegen Mut und Zuversicht.

Wem würden Sie den Workshop empfehlen, sowohl auf Arbeitnehmer- wie Arbeitgeberseite?
P.B: Viele ältere Mitarbeitende bewegen sich schon lange im gleichen Umfeld und den gleichen Aufgaben. Dies hat mitunter Spuren hinterlassen. Festgefahren oder flexibel? Lernbereit oder rückwärtsgerichtet? Demotiviert oder leistungsbereit? Erhaltend oder gestaltend? Da hat das Leben gewisse Spuren hinterlassen, welche man mit fünfzig nicht mehr ändert. Dann die Frage was mache ich die nächste fünfzehn Jahre?
Ich empfehle den Workshop Arbeitgebern die viel „Know how" bei Mitarbeitenden 50plus haben. Sie signalisieren ganz klar, wir rechnen auch in der Zukunft mit euch. Wir sind bereit in euch zu investieren.

Der Kurs dauerte sechs Tagen über drei Monate, warum diese Form?
P.B: Ergänzend mit dem Coaching waren es acht Tage. Wir wollten einen Veränderungsprozess gestalten. Die Frau eines Teilnehmers sagte spontan: „Irgendwie hast du dich seit dem Workshop positiv verändert. Du schaust seit dem Kurs anders in die Welt."

¹ Die Lebensbaummethode ist ein von Peter Bösiger entwickelter Vorgang der jeder Person individuelle erlaubt auf ihr Leben zurück zu blicken.

 

Däniken, November 2008