Projektbericht 50plus: Welche Ziele und Motive hatte der Auftraggeber?
Im Leitbild zur Personalpolitik bekennt sich die st. gallische Staatsverwaltung klar zur Förderung der beruflichen Entwicklung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dies bewog die St. Galler Regierung Massnahmen zu ergreifen, welche die Flexibilität, die Leistungsbereitschaft und die Arbeitsmarktfähigkeit der Mitarbeitenden gezielt fördern und entwickeln. Die Abteilung Personal- und Organisationsentwicklung (POE) des kantonalen Personalamts erarbeitete hierzu ein Konzept mit zwölf Angeboten. Als eines dieser Angebote resultierte der

Workshop für Mitarbeitende zwischen 50 und 60".

Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen ihren Job bis zur Pensionierung motiviert ausführen und dazu erst noch leistungsfähig und flexibel bleiben", fasst Tino Bentele, Projektverantwortlicher POE, das Ziel des Workshops zusammen. Gemäss demografischen Statistiken ist der Anteil der über 50jährigen Arbeitnehmenden im Aufwärtstrend. Gleichzeitig ist die Fluktuationsrate sehr gering. Umso wichtiger ist, dass diese Mitarbeitenden ihr breites Erfahrungswissen weiterhin einbringen können und offen bleiben für Veränderungen. „Wer einmal 50 ist, überlegt sich sehr gut, ob er seine Stelle nochmals wechselt, zumal die Arbeitsbedingungen in der Kantonalen Verwaltung gemäss einer Personalbefragung positiv bewertet werden", weiss der Personalentwickler.

In einer kantonalen Verwaltung hat man längst nicht mehr eine Arbeitsplatz-Garantie bis zur Pensionierung", gibt Tino Bentele zu bedenken.

Die steigenden beruflichen Anforderungen machen auch vor der öffentlichen Verwaltung nicht Halt. Leistungsverdichtung, neue Technologien, hohe Qualitätsansprüche in Kombination mit einem hohen Veränderungstempo, knapper werdenden Ressourcen und politischen Sachzwängen machen vielen Mitarbeitenden zu schaffen. Eine Investition in die Personalentwicklung hat nicht zuletzt einen präventiven Nutzen. Gesunde, motivierte und leistungsfähige Mitarbeitende sind besser in der Lage, die steigenden Erwartungen zu erfüllen. Eine gute soziale Integration, Innovationsfreudigkeit und Offenheit für Neues können durch gezielte Massnahmen entscheidend gefördert werden. Hier setzt der Workshop an: Eine intensive Auseinandersetzung mit der eigenen Berufskarriere legt Abnutzungserscheinungen, festgefahrene Einstellungen, aber auch Ängste vor der Zukunft offen. Der Workshop will das Selbstvertrauen stärken, neue Sichtweisen eröffnen und konkrete Impulse für die Bewältigung zukünftiger Herausforderungen bringen.

Wir wollten sicher gehen, dass wir unser Ziel erreicht haben. Dazu brauchte es eine wissenschaftliche Evaluation. Tino Bentele

Wir wollten mit kritischem Blick prüfen, ob diese Investition sinnvoll ist und wie effektiv Nutzen und Nachhaltigkeit sind. Dies wäre ohne eine Evaluation nicht denkbar gewesen," begründet Tino Bentele die Durchführung der wissenschaftlichen Evaluation. "Auch die Mitglieder der Regierung setzten sich mit den Ergebnissen der Evaluation auseinander und gaben uns grünes Licht für eine weitere Durchführung. Zugleich beauftragten sie uns, die Vorgesetzten in Bezug auf die Führung älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sensibilisieren."

So setzen sich die Führungskräfte der St. Galler Kantonsverwaltung im Seminar „Personalentwicklung als Führungsaufgabe" mit dem Thema "Älter werden im Beruf" auseinander und gehen der Frage nach, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer beruflichen Entwicklung - angefangen vom Berufseinstieg bis hin zur Pensionierung - gezielt gefördert und unterstützt werden können.