Die Kritik der Menschen

Einmal gingen Nasrudin und sein Sohn miteinander auf Reise. Nasrudin zog es vor, seinen Sohn auf dem Esel reiten zu lassen. Unterwegs trafen sie einige Leute, die sagten: „Seht Euch den gesunden, jungen Burschen an! Das ist die heutige Jugend, sie haben keinen Respekt vor dem Alter. Er reitet den Esel und lässt seinen armen, alten Vater gehen.“

Daraufhin war der junge Mann sehr beschämt und bestand darauf, dass Nasrudin auf dem Esel reiten sollte. Der Hodja bestieg also den Esel, und der Junge ging an seiner Seite. Wieder begegneten ihnen einige Leute, und wieder empörten sie sich: „Nun seht Euch doch einmal das an: der arme, kleine Junge muss laufen, während der Vater auf dem Esel reitet!“

Nun setzten sich beide auf den Esel, Vater und Sohn, und zogen Schritt für Schritt durch die Hitze der Landschaft. Als die nächsten Reisenden des Weges kamen, hörte Nasrudin sie sagen: „Das müssen Leute sein! Dieser Mann hat kein Erbarmen mit diesem armen, kleinen Esel und schindet ihn in der Hitze einfach rücksichtslos zu Tode.“

Nachdem die Leute vorbei waren, sagte Nasrudin zu seinem Sohn: „Das Beste ist, wir gehen beide. So kann sich niemand beschweren.“ So gingen beide nebeneinander her, den Esel neben sich führend. Alsbald kamen einige Leute des Wegs und flüsterten. „Seht euch doch einmal diese Narren an! Beide gehen zu Fuss in dieser brennenden Hitze, und keiner reitet den Esel!“

Nun reichte es Nasrudin aber endgültig Er packte den Esel und warf ihn in den nahen Fluss.

(aus: 202 Witze von Nasrudin Hodja)